Frauen in der Musik

musica rara-Festival beginnt Samstag

Daß Frauen nun mal nicht komponieren können, ist ein Irrtum, der vermutlich einer jeden von uns, die irgendwann einmal irgendeine Musikschulbank drückte, um die Ohren gehauen wurde. Doch wie alle Pauschalurteile gründet auch dieses Diktum in den Unschärfen einer dichotomisierenden patriarchalen Perspektive.

So ist bis heute der Versuch, ein "öffentliches Bewußtsein für die schöpferische Frau in der Musik" zu schaffen und den Vorurteilen zu Leibe zu rücken, nur als verdienstvoll zu bezeichnen. Und eben dies ist eines der in seiner "Festivalphilosophie" formulierten Ziele des Erfurter Flötisten Frieder Gauer, wenn das Programm seines diesjährigen musica rara-Festivals sich ganz auf die Arbeit von Komponistinnen konzentriert.

Auch diesmal wird nicht an Uraufführungen gespart. So soll das zehntätige Festival am 22. Oktober mit Werken der zeitgenössischen Komponistinnen Alice Samter und Violeta Dinescu ausklingen. Sechs Kompositionen hat Gauer eigens für dieses Festival in Auftrag gegeben.

Wenn somit der Schwerpunkt dieses vierten Festivals auf zeitgenössischen Kompositionen u.a. der beiden jungen Thüringerinnen Kathrin Witschel (16.10., 19.30 Uhr im Rathausfestsaal) und Ulrike Geißler (20.10., 19.30 Uhr, Ägidienkirche) liegt, schlägt Gauer doch den Bogen vom Barock bis zur Gegenwart. Ein Portraitabend wird sich am 18.10. ab 19.30 Uhr in der Ägidienkirche allein einer französischen Barockmeisterin widmen. Elisabeth Claude Jaquet de la Guerre (1664-1729), deren Werke das Ensemble Contrepoint aus Luxembourg auf historischen Instrumenten interpretieren wird.

Neben den Luxemburgern werden Aurelian Octav Popa aus Bukarest (Klarinette) und Zora Paterova aus Plzen (Cembalo), werden das Jenenser Sima-Trio und die Berliner HArfinistin Katharina Hanstedt, werden das Ensemble Congioco und die Mezzosopranistin Christina Ascher aus New York für die Internationalität auch unter den Interpretierenden sorgen.

Cornelie Becker

Der Text erschien zuerst in der Thüringer Allgemeinen vom 11. Oktober 1995.